Link zur Quelle: SÜDKURIER vom 27.01.2026 - Bericht von Hannah Martin
Text übernommen und hier wieder eingefügt, mit freundlicher Genehmigung vom Südkurier
Dienstag, 27.01.2026
So steht es um die Ortsumfahrungen der B27
Randen und Zollhaus fordern Verkehrsentlastung
Umsetzung der Pläne ist weiter nicht in Sicht
Die Blumberger Stadtteile Randen und Zollhaus fordern seit Jahrzehnten eine Ortsumfahrung, um die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Mit einer Protestaktion am 19. Januar forderte eine Bürgerinitiative erneut eine Umsetzung. Foto: Dietmar Schweigler
VON HANNAH MARTIN
Blumberg-Randen Über 70 Jahre – so lange warten die Anwohner in Randen und Zollhaus schon auf eine Entlastung vom Durchgangsverkehr auf der B27. Versprochen wurde viel, passiert ist wenig. Mit einer Protestaktion am 19. Januar forderten die Randener Bürger erneut eine konkrete Verkehrslösung. Auf Anfrage des SÜDKURIER äußerte sich das Regierungspräsidium Freiburg jetzt zum Stand der Planungen. Pressesprecherin Heike Spannagel betonte, dass die Ortsumfahrungen beider Stadtteile im Bundesverkehrswegeplan 2030 im „vordringlichen Bedarf“ enthalten und über das Fernstraßenausbaugesetz auch gesetzlich verankert seien. Der Bund beabsichtigt also, beide Ortsumfahrungen umzusetzen. Aber wird sich in absehbarer Zeit tatsächlich etwas tun? Die Antwort des Regierungspräsidiums lautet: nein.
Pressesprecherin Spannagel zufolge haben dringend notwendige Erhaltungsmaßnahmen nach Maßgabe des Landes Baden-Württembergs Priorität vor Neu- und Ausbauvorhaben. „Dazu gehört insbesondere der Erhalt von Brücken, Straßen, Tunneln sowie Hang- und Felssicherungen – auch vor dem Hintergrund begrenzter Personalressourcen.“ Die Neu- und Ausbauprojekte würden zwar grundsätzlich weiterbetrieben, erklärte Spannagel. Dabei würden aber diejenigen Projekte vorrangig bedient, die in Planung und Bau bereits fortgeschritten seien. Dies ist bei den Umfahrungen Zollhaus und Randen nicht der Fall. Wegen der anhaltenden Verzögerungen hatte es in Randen immer wieder Proteste von Anwohnern gegeben. Jahrelang machte die Initiative „Ortsumfahrung Zollhaus-Randen“ mit einem Schild auf das hohe Verkehrsaufkommen auf dem Streckenabschnitt aufmerksam. Heute sind es mehr als 17.000 Fahrzeuge täglich. Am Montag, 19. Januar, organisierte die Bürgerinitiative eine weitere Protestaktion. Zwischen 7 und 9 Uhr morgens verlangsamten geparkte Autos den Verkehrsfluss, um erneut auf die anhaltende Belastung und die Forderung nach einer Ortsumfahrung hinzuweisen. Eine solche Parkaktion hatte es bereits im Dezember 2025 gegeben.
Daniel Brill vom Polizeipräsidium Konstanz sprach von etwa 25 Teilnehmenden bei der Aktion. Beeinträchtigungen habe es nur zu Beginn gegeben. Die Polizei hätte „verkehrsregelnd eingegriffen“, also Autofahrer angeleitet, insbesondere um gefährliche Situationen an einem Stauende zu verhindern. „Die Straßen wurden nicht blockiert, sondern die Teilnehmer parkten wechselseitig, sodass Autos quasi Schlangenlinien fahren mussten“, so Brill. Die Organisatoren Jochen Gleichauf, Tamara Willauer und Dietmar Schweigler zeigten sich mit dem Verlauf der Aktion zufrieden. Ihr Appell richte sich klar an die Landespolitik im Vorfeld der Landtagswahl, den Ankündigungen endlich konkrete Schritte folgen zu lassen, teilten sie mit. Diese Erwartungen dämpft das Regierungspräsidium. Die Ortsumfahrung Randen befinde sich weiter nur in der Vorentwurfsplanung, so Pressesprecherin Spannagel. Es seien zusätzliche naturschutzfachliche Untersuchungen notwendig gewesen, da vor Ort die streng geschützte Vogelart der Heidelerche entdeckt wurde. Zwar könne man an der beabsichtigten Trassenführung festhalten, allerdings müsse der Vorentwurf nun erst weiterbearbeitet und mit den Verkehrsministerien des Landes und Bundes abgestimmt werden. „Eine verlässliche zeitliche Perspektive können wir derzeit nicht benennen“, so Spannagel.
Die zuletzt favorisierte Trasse für die Umfahrung in Randen sollte auf 1,4 Kilometer südwestlich des Stadtteils verlaufen und im Bereich der Sonnenhofkurve auf die Bundesstraße 314 stoßen. Die Ortsumfahrung Zollhaus bleibt derweil vorerst gänzlich Theorie. Wie das Regierungspräsidium mitteilt, handle es sich um ein anspruchsvolles und komplexes Großprojekt mit hohem Ressourcenbedarf. Ein Planungsbeginn sei daher derzeit nicht absehbar.
Das Ausbau-Projekt
Die Ortsumfahrungen Zollhaus und Randen sind Teil des B27-Ausbau-Projektes von Donaueschingen bis zur Schweizer Grenze, das den Verkehr zwischen Schaffhausen/Zürich, VS und Stuttgart erleichtern soll. Seit 2003 ist der Gesamtausbau mit vier Abschnitten im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans enthalten. Nach der Fertigstellung der Ortsumfahrung Behla und des zweibahnigen Ausbaus zwischen Donaueschingen und Hüfingen stehen mit den Blumberger Stadtteilen die letzten Abschnitte noch aus. 2012 sprach sich der Blumberger Rat für eine Ortsumfahrung aus, eine Umsetzung blieb aber aus. Zuletzt hatte das Regierungspräsidium im November 2023 auf Anfrage von FDP-Verkehrssprecher Christian Jung mitgeteilt, die Finanzierung der Umfahrungen sei gesichert, es scheitere aber am nötigen Fachpersonal.
So sieht die Printversion aus:
