
Manche Schönheit liegt nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Keine fünfhundert Meter westlich von Randen, dort wo sich die Äcker sanft über die Höhe wölben, lädt eine schlichte Holzbank auf ihren verwitterten Steinsockeln zum Verweilen ein. Wer hier Platz nimmt, lässt den Alltag – und den Lärm der vielbefahrenen B27 – mit einem Mal hinter sich. Vor einem öffnet sich die Weite.
Im Rücken wiegt sich ein Meer aus blaugrün schimmernder Gerste im Wind. Im Frühsommer, wenn die Ähren ihre Grannen aufstellen und das Feld bei jedem Lufthauch wie ein lebendiges Gewässer wogt, hat dieser Farbton etwas beinahe Unwirkliches – ein kühles, silbriges Grün unter einem makellos blauen Himmel. Über allem steht das Lied der Feldlerche, und in der Mittagshitze duftet es nach warmem Stroh und Wiese.
Der eigentliche Schatz aber ist der Blick nach vorn. Bei klarer Sicht reicht er weit über die bewaldeten Hänge hinweg: vom Schweizer Jura im Süden über die sanften Höhenzüge der Oberen Alp bis hinüber zum Feldberg, dem höchsten Gipfel des Schwarzwaldes. Wald, Wiese und ferne Bergketten schichten sich in immer blasseren Blautönen übereinander, bis sie am Horizont mit dem Himmel verschmelzen. An dunstfreien Tagen ist es ein Panorama, das man sonst eher von einem Aussichtsturm erwartet – hier bekommt man es im Sitzen geschenkt.
Dass dieser Ort kein verborgener Geheimtipp bleiben muss, dafür sorgt der Weg, der hier vorbeiführt. Die Bank liegt am Querweg Freiburg–Bodensee, einem der beliebtesten Fernwanderwege des Schwarzwaldvereins. Zwischen dem Hochfirst bei Titisee und Konstanz ist dieser Weg zugleich Teil des Europäischen Fernwanderwegs E1, der vom Nordkap bis nach Sizilien führt. Wer von der Wutachschlucht durch die Blumberger Pforte heraufgewandert ist, an der Sauschwänzlebahn vorbei und über den Randen, durchquert genau hier die offene Feldflur – auf dem Weg zum Blauen Stein und weiter nach Riedöschingen und in den Hegau.
So verbindet diese kleine Bank das ganz Große mit dem ganz Nahen: einen europäischen Wanderweg und ein heimisches Gerstenfeld, den fernen Feldberg und das eigene Dorf. Sie ist eine Einladung – an Wanderer, die eine Rast suchen, ebenso wie an Randenerinnen und Randener, die nach Feierabend einmal innehalten möchten.
Es lohnt sich, zu jeder Jahreszeit vorbeizuschauen: im Frühjahr, wenn das junge Grün die Hänge überzieht; im Sommer zur reifenden Ernte; im Herbst, wenn die Wälder in Farbe stehen; und an klaren Wintertagen, wenn die Fernsicht am weitesten reicht. Man muss nicht weit fahren, um Schönes zu sehen. Manchmal genügt ein kurzer Gang vor die eigene Haustür – und eine Bank mit Aussicht.
